Bald bekomme ich großen Besuch aus Wien und für diesen Anlass habe ich in den letzten Tagen fleißig Zwirnknöpfe für mein hübsches Dirndlkleid genäht.
Handarbeiten ist für mich einfach ein zauberhaftes Abenteuer für die Sinne! Wenn wir mit unseren eigenen Händen kreativ werden, entfaltet sich eine Welt voller Möglichkeiten und Freude. Es ist
ein Gefühl wie kein anderes, wenn die Finger über den Stoff gleiten, die Wolle sanft zwischen den Händen fließt oder das Holz unter dem Werkzeug Form annimmt oder sich der Faden geschickt um das
Ringlein legt.
Jede Masche, jeder Stich und jeder Schnitt erzählt eine Geschichte. Die Farben leuchten lebendig, während wir sie auswählen und kombinieren – es ist, als würden wir unsere eigene kleine
Farbpalette erschaffen. Der Duft von frischer Wolle, das leise Klappern der Stricknadeln oder der Klang des Nähmaschinenrauschens wird zum Soundtrack unserer kreativen Reise.
Handarbeit ist nicht nur ein Hobby; es ist eine Form der Meditation. In diesen Momenten des Schaffens können wir den Alltag hinter uns lassen und in einen Zustand der Achtsamkeit eintauchen. Wir
konzentrieren uns auf das Hier und Jetzt, auf die Bewegungen unserer Hände und die Materialien, die wir bearbeiten. Es ist eine wunderbare Möglichkeit, Stress abzubauen und innere Ruhe zu
finden.
Die Freude am Handarbeiten liegt auch in der Gemeinschaft. Ob beim gemeinsamen Stricken mit Freundinnen, beim Austausch von Ideen in einem Nähkurs oder beim Teilen von Projekten in Online-Foren –
Handarbeit verbindet Menschen. Wir inspirieren uns gegenseitig, lernen voneinander und feiern die kleinen Erfolge gemeinsam.
Und das Beste daran? Am Ende eines Projekts halten wir etwas Greifbares in den Händen – ein selbstgemachtes Kleidungsstück, ein liebevoll gestaltetes Geschenk oder ein einzigartiges Kunstwerk.
Diese Dinge sind nicht nur schön anzusehen; sie tragen auch unsere persönliche Handschrift und erzählen von unserer Hingabe und Kreativität.
Handarbeit - Sie ist eine Quelle der Freude, des Ausdrucks und der Verbundenheit. Mit jedem Projekt wachsen unsere Fähigkeiten und unser Selbstbewusstsein. Und das Schönste daran, mit deinen
eigenen Händen kannst du Wunderbares erschaffen!
Herzlichst
Sabine, Die Knopfmacherin
Klettenblüten als Knopfersatz
oder
Die Erfindung des Klettverschlusses
von Sabine, Die Knopfmacherin
Die Klette, botanisch als Arctium bekannt, ist eine Pflanze, die in vielen Regionen der Welt verbreitet ist. Besonders bemerkenswert ist ihre Fähigkeit, sich an Tieren und Menschen festzuhalten, was zu ihrer Bezeichnung als "bouton de soldat" in Frankreich geführt hat. Diese Bezeichnung verweist auf die historische Nutzung der Blütenköpfe als Ersatzknöpfe für Soldatenuniformen. Der folgende Bericht beleuchtet die Eigenschaften der Klette, ihre Fortpflanzungsmechanismen und die innovative Entwicklung des Klettverschlusses durch den Schweizer Ingenieur Georges de Mestral.
Aus den unbeschwerten Tagen der Kindheit erinnert man sich lebhaft an das fröhliche Spiel des Klettenwerfens, bei dem die kleinen, stacheligen Pflanzen mit einem vergnügten Lachen durch die Luft geschleudert wurden. So manches Mal endete dieses ausgelassene Vergnügen damit, dass eine Haarsträhne dem unbändigen Spieltrieb zum Opfer fiel und mit einer Schere gekürzt werden musste, was nur noch mehr Gelächter und Freude hervorrief.
Die Klette, in Frankreich als "bouton de soldat" bekannt, hat eine faszinierende Geschichte. Der Name stammt von der Zeit, als Soldaten Blütenköpfe als improvisierte Knöpfe verwendeten, um ihre Uniformjacken zu schließen, wenn ihnen die richtigen Knöpfe fehlten. Doch die Klette ist nicht nur ein Relikt aus vergangenen Tagen – sie hat auch die moderne Welt beeinflusst!
Heute kennen wir den Klettverschluss der Schuhe und Bekleidungsstücke, Blutdruckmess-manschetten, Babywindeln und die Bettwäsche revolutioniert hat. Auch zum Fixieren von Kunststoffrasenbelägen, Teppichböden, Kabelbinder, Planenbefestigung, Rucksäcken und Taschen, im Messebau, bei Werkzeugen, in Autos, Zügen, Flugzeugen und Transportmitteln, ja sogar an Raumanzügen von Astronauten ist der Klettverschluss nicht mehr wegzudenken.
Inspiriert von dern Blütenköpfen der Klette, funktioniert dieser praktische Klett-Verschluss ähnlich: Die kleinen Häkchen der Klettenfrüchte bleiben an Tierfellen hängen und lassen sich nur schwer wieder lösen. Diese cleveren Häkchen sind ein echter Überlebenstrick der Natur! Der Mechanismus der Anheftung ist entscheidend für die Fortpflanzung der Klette. Die Häkchen an den Früchten sind so gestaltet, dass sie sich leicht in das Fell von Tieren oder an Stoffen und Textilien verankern können. Dies führt dazu, dass die Samen unbemerkt von einem Ort zum anderen huckepack reisen und an neuen Standorten "ausgesät" werden, wenn die Tiere oder Menschen die Klettenfrüchte abstreifen. Diese Form der Verbreitung ist besonders effektiv und trägt zur erfolgreichen Ausbreitung der Klette in verschiedenen Lebensräumen bei.
Es war der Schweizer Ingenieur Georges de Mestral, welcher in den späten 1940er Jahren eine interessante Entdeckung machte. Nach einem Spaziergang mit seinen Hunden fiel ihm das Phänomen auf, dass viele Klettenfrüchte an ihrem Fell hafteten. Neugierig geworden, betrachtete er die kleinen Häkchen unter dem Mikroskop und war sofort fasziniert. Diese Beobachtung führte ihn dazu, einen genialen Plan zu entwickeln: den Klettverschluss! 1951 meldete er sein Patent an und damit begann eine neue Ära des praktischen Verschlusses.
Die Klette hat also nicht nur ihren Platz in der Natur, sondern auch in unserem Alltag gefunden – dank eines neugierigen Ingenieurs und seiner bedeutenden Beobachtungen!
Und in der Blumensprache bedeutet die Klette „Liebe“ , weil diese an jedermann hängen bleiben.
mit herzlichen verKNOPFenden Grüßen
Sabine, Die Knopfmacherin
"Wie einst meine Großmutter fleißig Socken strickte, so mache ich es ihr gleich.
Ein Weidenkörbchen gefüllt mit Wollknäuel, ihren alten Stricknadel, Erinnerung und Liebe - so entsteht ein Stück Vergangenheit, das in meinen Händen lebendig wird.
Mit jedem Maschenzug erwecke ich die Erinnerungen meiner Oma zum Leben, denn in meinen Händen entsteht ein Stück Vergangenheit, gewoben aus Liebe und Sorgfalt."
Sabine Krump
Gedanken zu Allerheiligen
Noch liegt Nebel über dem Land, doch die Sonne kämpft sich langsam über den Horizont und taucht die Szenerie in ein warmes, goldenes Licht. Die Bäume sind mit nassen Blättern bedeckt, die im sanften Wind rascheln. Das Laub schimmert in einem tiefen Rot und glänzt golden, als ob es von den Strahlen der aufgehenden Sonne geküsst wird. Die Bäume sind in eines Kleid gehüllt und die Luft ist klar frisch.
Es ist Allerheiligen, ein Tag, an dem wir unsere verstorbenen Lieben ehren und gedenken. Der Nebel scheint wie ein Schleier zwischen unserer Welt und der jenseitigen zu liegen, während die Sonne Hoffnung und Trost spendet. Die Stille der Natur wird nur durch das Knirschen des Kieses unterbrochen, während wir durch den Friedhof gehen und die Gräber besuchen. Üppige gefertigte Blumengestecke schmücken die Gräber, die in den verschiedensten Farben erstrahlen. Rosen, Chrysanthemen, Eriken und Stiefmütterchen bilden ein buntes Meer aus Blütenblättern. Kerzen werden angezündet und erhellen die dunklen Wege zwischen den Grabsteinen.
Die Atmosphäre ist ruhig und nachdenklich. Die Menschen kommen zusammen, nehmen sich Zeit, um an ihre Liebsten zu gedenken, ihre Erinnerungen zu ehren und ihnen ihre Liebe auszusprechen.Sie bringen Kerzen mit, stellen sie neben die Blumenarrangements und verweilen in Erinnerungen an vergangenen Tage. Es ist eine Zeit des Innehaltens, des Rückblicks und der Dankbarkeit für die gemeinsam verbrachte Zeit.
Die Stimmung auf dem Friedhof ist ruhig und besinnlich. Man hört nur das Knirschen des Kieses unter den Schritten der Besucher und das leise Flackern der Kerzen, die ihr warmes Licht auf die Grabsteine werfen. Die Stille wird nur durchbrochen von vereinzeltem Schluchzen oder leisen Murmeln. Während wir zwischen den Gräbern stehen und die bunten Blumengrüße und hell leuchtenden Lichter betrachten, spüren wir eine tiefe Verbundenheit mit denen, die nicht mehr bei uns sind.
Der Nebel mag zwar trüb erscheinen, aber er erinnert uns daran, dass das Leben vergänglich ist und dass wir jeden Moment schätzen sollten. Die Sonne über dem Horizont erinnert uns jedoch daran, dass es auch Hoffnung und Licht gibt, selbst in den dunkelsten Zeiten.
Der Herbstwind streicht sanft über die Gräber und trägt die Gedanken der Trauernden fort. Es ist ein Moment des Loslassens, des Abschiednehmens und gleichzeitig des Festhaltens an den Erinnerungen. Die Vergänglichkeit des Lebens wird spürbar, doch auch die Hoffnung auf ein Wiedersehen. Die Sonne steht nun hoch am Himmel und taucht den Friedhof in warmes Licht. Die Nebelschwaden haben sich vollständig aufgelöst und machen Platz für einen klaren Blick auf die Gräber. Die Blumen erstrahlen in ihrer vollen Pracht und die Kerzen brennen hell.
Allerheiligen ist ein Tag, an dem wir bewusst an unsere lieben Vorausgegangenen erinnern und mit tiefer Verbundenheit ihnen dankbar und liebevoll gedenken. Ihre Spuren in unserem Leben sind wie Sterne am Himmel, die uns den Weg weisen und uns daran erinnern, dass sie immer in unseren Herzen weiterleben.
Sabine Krump
Mit liebevoller Erinnerung an meine geliebte Oma Rosina Edlmayr, die einst als Zwirnknöpfenäherin in Pregarten tätig war, trage ich ihre Liebe zur Handarbeit tief in meinem Herzen und bringe das beinahe vergessene Handwerk mit viel Hingabe in die Welt.
"Aus dem Nähkästchen plaudern"
Woher kommt diese Redewendung eigentlich und was bedeutet sie.
Umgangssprachlich steht sie für: Anderen Einblick in intime häusliche und andere Bereiche zu gewähren.
Das Nähkästchen der jungen Fräulein, das Nähkörbchen bei älteren Damen und der Nähtisch bei den Bessergestellten waren Gegenstände im Haushalt, die mit dem speziellen Gebrauch durch die Hausfrau, ihr vorbehalten waren.
Die Frauen und heranwachsenden Mädchen haben früher gemeinsam genäht und dabei wurden oft auch Geheimnisse und Intimitäten ausgetauscht.
Der Nähkasten wurde gerne als Versteck genutzt, wenn etwas vor den gestrengen Augen des Herrn Papa oder des Gemahls zu verbergen war.
In dem 1895 erschienenen Roman "Effi Briest" von Fontanes stößt Herr von Innstetten durch Zufall auf die kompomittierenden Liebesbriefe von Major Crampas an seine Frau, die "ganz zuunterst" in einem Fach ihres Nähtisches gelegen hatten.
Herzlichst
Sabine, Die Knopfmacherin
"Die wahre Meisterschaft liegt darin, sich mit dem Handwerk zu identifizieren und das zu tun, was man liebt. Denn nur so bleibt man authentisch und kann mit dem Feuer der Begeisterung andere anstecken. Damit diese das Handwerk weitergeben und weiter entwickeln für unsere Kinder.
In dieser Leidenschaft liegt die Kraft, altes und beinahe vergessenes Handwerk zu retten und ihm neues Leben einzuhauchen. Denn nur wenn wir unsere Wurzeln und unsere Geschichte kennen und bewahren, können wir eine Zukunft gestalten, in der Tradition und Innovation Hand in Hand gehen."
Sabine Krump, Die Knopfmacherin
"Kuchenpause"
für fleißige Zwergen-Zwirnsknöpfler
in der Knopfstubn!
Aus dem Nähkistchen meiner Großmutter geplaudert
Vom Manger und dem Stopfschwammerl
„Wenn das Stopfholz fehlt im Haus,
schaut alles bald zerissen aus.“
Das Stopfen, Flicken und Ausbessern der Kleider gehörte lange zu unserem täglichen Leben.
Sehr sehr lange, bis im 20. Jahrhundert die industrielle Massenfertigung von Textilien und maschingefertigten billigst Wegwerfkleider unser modernes Leben überfiel und der Stopfpilz großteils ausgedient hat.
Therese de Dillmont schrieb im Jahre 1893 in ihrer Encyklopaedie der weiblichen Handarbeit in dem Kapitel „Das Ausbessern“ folgendes;
Das Ausbessern der Wäsche und Kleider ist zwar eine wenig lohnende, aber dennoch sehr nothwendige Kenntniss, welche keiner Frauenhand fremd sein sollte. Die Kunst, Schäden die durch die Benützung oder durch Unvorsichtigkeit entstanden, möglichst zu verbergen, ist gewiss eben so hoch anzuschlagen, als die tadellose Ausführung neuer Gegenstände. Unter Ausbessern versteht man sowohl das Ergänzen geschwächer oder ganz fehlender Fäden eines Gewebes durch neue Fäden, als auch das Ersetzen grösserer schadhafter Stellen durch neuen Stoff. Die erste Art nennt man Stopfen, das zweite Einsetzen.
Das Stopfen von Socken und Strümpfen, das Kleider reparieren oder das Einsetzen von Flicken an den Hosenböden und -knien zählte zu den Aufgaben einer ehrbaren und fleißigen Hausfrau.
Meine Mutter erzählt mir, während sie den Trachtenstutzen über den „Manger“/das Stopfholz zieht, dass es eine selbstverständliche Aufgabe für sie als junges Mädchen war die Flickwäsche ordentlich zu stopfen. Es war eine sehr schöne Arbeit und im harmonischen Kreise saßen die Frauen und jungen Dirndl gemütlich beisammen und maßen sich daran, wer wohl den schönsten Stopffleck hatte.
„Wenn dich die bösen Buben locken, so bleib zu Haus und stopfe Socken!“, lachte mein Mutter, während sie den Faden geschickt über das löchrige Gewebe führt. Die einfache Leinwandstopfe oder Leinenstopfe lehrte sie einst ihre Mutter.
Therese de Dillmont beschreibt folgend die Ausführung einer korrekten Stopfung:
Zuerst werden um die schadhafte Stelle die Längenfäden gezogen. Die Längen- Kettenfäden werden in einer Art und Weise gespannt, dass man die Nadel ungefähr einen Zentimeter ausserhalb der schadhaften Stelle in den Stoff einführt; dann Vorstiche über einen, höchstens zwei Fäden des Gewebes macht, den Nähfaden über die freie Stelle wirft, wenn der Stoff ganz entfernt, und wiederholt dieselben Stiche auf der gegenüberliegenden Seite, zwischen den mit den ersten gleichlaufenden Fäden. Beim Zurückgehen nimmt die Nadel die übergangenen Fäden des Stoffes auf und übergeht dagegen die zuerst aufgenommenen. Die Querfäden werden in derselben Weise eingezogen; es darf jedoch nur immer ein Faden der zuerst über den Ausschnitt gespannten aufgenommen und übergangen werden. Die Fäden müssen nach beiden Seitenenden dicht gezogen werden, dass die vollendete Stopfe einem dem Gewebe gleich dichten Grund ergibt….
Unzählige Male wurden die Fersen und Fußsohlen der Strümpfe über den hölzernen Stopfhelfer gezogen und gestopft. Wenn die Löcher gar zu groß waren, so wurde abgetrennt und der Vorderfuß gekonnt neu angestrickt. Die Sitzflächen von Hosen bekamen neue Auflagen, wenn sie durch gesessen waren oder ein Zwickl wurde eingenäht, wenn sie dem Tragenden zu klein geworden waren.
Sind die Ärmel an Hemden und Jacken fadenscheinig geworden, so wurden Ärmelflicken eingesetzt. Auch wurden diese einfach rausgerissen und durch neu genähte ersetzt.
Es wurde sehr sorgfältig gestopft und ausgebessert, dass man teilweise gar nichts von der Kleiderreparatur erkennen konnte. Auf alle Fälle wurde nichts weggeworfen, vergeudet oder verschwendet. Stoffe und Textilien waren teuer und wurden von den Menschen sehr lange getragen und geschätzt. Die Menschen hatten wenig, doch das Wenige war ihnen teuer. Abgetragene Kleider kamen in den Lumpensack, doch aus dessen Inhalt ließen sich durchaus noch neue Gewänder zaubern. Der nicht mehr zu tragende Rest wurde den Teppichwebern ein wertvoller Rohstoff, welche am Webstuhl die beliebten Fleckerlteppiche fertigten. Die Hadern- und Lumpensammler verdienten bei den Webereien und Bütenpapierherstellern noch ein paar gute Groschen beim Abliefern der Altkleidersäcke.
Kohlensäcke waren notwendig, wurden dringend gebraucht und waren wertvoll für die einzelnen Bewohner. Daher wurden auch die groben Säcke mit Bedacht ausgebessert, denn in ihnen füllte man das kostbare schwarze Heizgut. Erdäpfelsäcke waren aus grob gewebten Leinen genäht und auch diese wurden ausgebessert und immer wieder verwendet. Auf Matratzen, die mit Stroh gestopft waren, bettete sich meine Mutter mit ihrer Familie und wenn der Stoff durchgewetzt war, so wurde dieser mit Stoffen aus alten Kleidern geflickt.
Beinahe alle Hausfrauen hatten ein Nähkörbchen, dass mit Nähutensilien wohl ausgestattet war. Darin befanden sich neben der Schere, ein oder zwei Fingerhüte - falls einer verloren gehen sollte; ein kleiner Beutel mit Litzen, Borten, Spitzen und Bänder; Haken und Klammern; Hosengummi, ein Maßband; ein Stück Kreide; Stecknadeln und Nähnadeln in verschiedensten Größen. Sorgsam aufbewahrt in einem Nadelmäppchen oder feinem Nadeldöschen. Ein großes Nadelkissen gehörte allemal dazu.
Weiters fanden sich verschiedene Stopfkissen und Garnkärtchen in unterschiedlichen Faben ein. Man sollte wissen, dass es das Garn in meiner Großmutters Kindertagen auf Strängen zu kaufen gab. Diese waren umständlich zu handhaben und verwickelten sich leicht. Deswegen wurden die einzelnen Stränge fallweise gern auf stern- oder mondförmige Garnkärtchen neu aufgewickelt. In dem Nähkistchen meiner Oma fanden sich einfach geschnittene starke Pappkartonkärtchen, auf denen sich unterschiedliches aufgewickeltes Stopfgarn befand.
Zwirn auf kleinen und großen Holzspulen; eine kleine Auswahl an unterschiedlichen Knöpfen; weiße Zwirnsknöpfe und ein paar Stopfnadeln. Nicht zu vergessen der Stolz einer jeden Näherin der Stopfhelfer das „Stopfholz“ und der „Stopfklopfer“ oder auch „Stopfstessl“ benannt, mit ihm wurde die Stopferei flach geklopft. Manche Stopferin klopfte auch mit dem schwere Griffteil der Schere das Stopfgewebe platt, damit dies eine Einheit mit dem Gewebe bildete.
Ursprünglich wurden die Löcher in den Strümpfen mit einem Stopfball oder dem Stopfei ausgebessert, ehe der Stopfpilz diese ablöste. Für das Ausbessern bei Löcher in den Handschuhfingern griff man gerne nach einem Stopfstab, der hier äußerst dienlich war.
Kurz erklärt:
Der Stopfpilz – das Stopfschwammerl – der Manger – das Stopfholz, ist ein Gegenstand, der benutzt wird, wenn ein Loch in den Socken und Strümpfen zu stopfen ist. Der Stopfhelfer wird in den schadhaften Strumpf oder der löchrigen Socke gesteckt und unter das zu stopfende Loch geschoben. Er erleichtert erheblich durch das mögliche Spannen des Gewebes die Stopfarbeit. Durch seinen Griff, ist er äußerst praktisch in der Anwendung in Gegenüberstellung des Stopfeis, welches wie der Name schon erahnen lässt, die Form eines Eies gleicht.
Der Stopfpilz wird aus weichem Holz gedrechselt. Ob Tanne, Fichte, Erle, Kiefer, Lärche, Ahorn oder Birne, es obliegt dem jeweilgen Drechsler welche Holzart er den Vorzug gibt.
Den Stopfpilz zeichnet eine nach oben hin gewölbte glatte Oberfläche aus, während die Unterseite eben ist. Stopfhölzer besitzen an ihrer ansonsten glatten Unterseite entweder einen Stiel oder eine Vertiefung für den Zeigefinger, um ihn mit einer Hand halten zu können. Die hölzernen Nähbegleiter werden in verschiedenen Modellen angeboten. Ob rot bemalt, als Fliegenpilz oder liebevoll bemalt und mit Sprüchen verziert. Die Auswahl ist sehr vielfältig.
„Es sei die große Liebe gelobt, die täglich mir die Socken stopft.“
Der kurioseste Stopfpilz jedoch entstammt aus einer Erfindung von dem ersten Kanzler der BRD. Konrad Adenauer ging als bedeutender Staatsmann in die Nachkriegsgeschichte ein. Sehr wenigen ist bekannt, dass Adenauer auch ein sehr pfiffiger Erfinder war. Ob der Politker jemals ein Loch in einem Strumpf gestopft hat, ist nicht bekannt und überliefert, aber er kannte wohl die Nöte der Hausfrauen der damaligen Zeit. Vielleicht hatte er auch nur seine liebe Gattin dabei beobachtet, wie sie mit den löchrigen Strumpf über das Stopfei gespannt das Nähwerk abends unter eine stark leuchtende Lampe hielt, um die Stiche setzen zu können. Oder bei Tage nahe am Fenster saß um in der Helle die Flickarbeit zu erledigen. Adenauer war ein äußerst praktisch veranlagter Mensch und hatte eine gute Idee. Der handwerklich geschickte Mann erfand das batteriebetriebene Stopfei mit Innenbeleuchtung.
In seinem 1938 verfassten Schreiben an die Beamten des Reichspatentamtes nennt er seine Erfindung eine „Einrichtung zur Ausbesserung von Geweben“. Erklärend führt der Erfinder Adenauer, damals schon 62 Jahre alt, dazu aus: „Bei weniger hellem Tageslicht und bei künstlichem Licht sind die schadhaften Stellen ... nur schwer oder gar nicht zu erkennen. Auch muss bei der Ausbesserung feinster Gewebe ohne Tageslicht die künstliche Lichtquelle sehr stark sein, damit die auszubessernde Stelle genügend belichtet ist.“ Sein Geistesblitz bringe „eine erhebliche Verbesserung gegenüber den jetzt im Gebrauch befindlichen Unterlagen und eine Erleichterung der Arbeit unter Einsparung von Licht, indem sie die aus einem durchscheinenden Material herzustellenden Unterlagen von innen her, das heißt von der dem herübergezogenen Gewebe entgegengesetzten Seite her, durch eine kleine elektrische Birne erhellt.“
Der Patentantrag wurde von den Berliner Beamten abgelehnt unter der Begründung, dass eine derartige Stopfhilfe nämlich schon durch eine Schweizer und drei amerikanische Patentschriften geschützt war. Das Elektro-Unternehmen AEG brachte denn auch Ende der 1930er/1940er-Jahre eine pilzförmige Variante auf den Markt, von dem sie aber „offensichtlich sehr schnell wieder verschwand“, wie Engelbert Hommel in seiner Schrift über „Konrad Adenauers Erfindungen“ hinzufügt. Das elektrische Stopfei war schließlich nicht kriegswichtig. Es ist so ganz nebenbei auch interessant zu wissen, dass dieser elektrische Stopfhelfer bei Luftangriffen, wenn kein Licht angemacht werden durfte, benutzt wurde auch in einer Funktion als Notlicht fand es seine Verwendung. Ein Exemplar soll im Haus der Geschichte im Bonn zu finden sein. Ein weiteres Exemplar im "electrum - Das Haus der Elektrizität" in Hamburg und ein Exponat findet sich im "privat geführten Zwirnknopfmuseum" in Pregarten und unzählige schlummern vielleicht beinahe vergessen auf Dachböden.
Ein Antiquitätensammler schenkte mir ein außergewöhliches Exponat eines Stopfpilzes. Dieses äußerst seltene Exemplar wurde um 1900 aus grünem Flaschenglas gefertigt und befindet sich in meiner kleinen Stopfholz-Sammlung im privat geführten Zwirnknopfmuseum in Pregarten.
Ein weiteres seltenes Exemplar zeigt an seinem Griffende einen geschnitzten Charakterkopf und stammt aus Baden. Leider konnte ich noch kein Alter des Ausstellungsstückes rechergieren. Doch es handelt sich hierbei um ein antikes, mögliches Einzelstück.
Zuckerstessl“ wurden gerne als Stopfholz zweckentfremdet. Die hölzernen Haushaltshilfen, dem Stopfholz ähnlich, wurden früher für das Zerstossen von hart gewordenen Zucker verwendet. Die auf der Oberseite gedrechselten Rillen sind das unverkennbare Merkmal dieser äußerst zweckdienlichen Objekte. Ich kann mir gut vorstellen, dass es auch eine wahre Freude sein kann, mit ihnen die harte Schale der Walnüsse zu knacken.
Der größte Stopfpilz aus meiner Sammlung misst an die 15 cm im Durchmesser an der Oberfläche und das kleinste hölzerne Stopfholz hat eine Gesamtlänge von 30mm.
Ich hoffe, meine kleine Ausführung über das "Stopfschwammerl aus Großmutters Nähkörbchen" hat Euch gefallen und ihr nehmt es wohlwollend in die Hände, wenn ihr eines seht.
Mit herzlichen verknopfenden Grüßen
Sabine, Die Knopfmacherin
Poesie im Kunsthandwerk
Ps.: Wenn jemand zufällig ein "Stopfei" oder ein sonstiges außergewöhnliches Exemplar an Stopfpilze übrig hätte, so würde ich mich freuen, wenn es meine kleine Sammlung an Stopfhölzer für das Museum bereichern möge. DANKE!
Fotos: Sabine Krump
Der Reisefingerhandschuh-Stopfstab
Begaben sich in vergangenen Tagen die feinen Damen auf Reisen, so trugen die begleitenden Zofen auch ein wichtiges Nähutensil mit sich. Es war äußerst dienlich und fand seinen Platz wie Knöpfe, Nadel, Schere und Zwirn in vielen Nähkörbchen von gehobenen Haushalten.
Der Fingerhandschuh-Stopfstab ist heutzutage kaum mehr anzutreffen und beinahe in Vergessenheit geraten. Doch hört gut zu, was ich Euch zu erzählen weiß;
Ab Ende des 19. Jahrhunderts war eine Dame von Welt ohne Handschuhe nicht ordnungsgemäß bekleidet. Auch die noblen Herren trugen ebenfalls Handschuhe und schmückten sich mit Hut und einem Stock. In England wurde neben dem Spazierstock auch der Regenschirm ein explizites Accessoires für die selbstbewussten männlichen Modeträger.
Zu der damaligen Zeit war es gegen die Etikette und äußerst unschicklich, die Handschuhe mit Hilfe der Zähne von den Händen zu ziehen. Und so manche Augenbraue, welche ein solch ungeziemes Verhalten beobachtete wurde tadelnswert hochgezogen. Auch war es äußerst unhöflich jemanden die Hand mit Handschuhen zu reichen oder nach etwas mit den behandschuhten Händen zu greifen. Zum Essen und beim Kartenspielen wurden die Handschuhe allerdings ausgezogen.
Während eines Ballbesuches durften die eleganten Damen ihre langen Abendhandschuhe unter keine Umstände ausziehen und für den Fall, dass die Handschuhe zu Schaden kamen, nahm Frau ein Paar Ersatzhandschuhe mit. Heutzutage kennt das die holde Weiblichkeit nur zurecht und wohlwollend führt man ein zweites Paar Seidenstrümpfe für den Notfall in der Handtasche mit, sollte eine Laufmasche zu entdecken sein.
Es schickte sich im vorigen Jahrhundert auch nicht, die Handschuhe in aller Öffentlichkeit anzuziehen, man ging stets korrekt gekleidet außer Haus. Fingerringe wurden über den Handschuhen getragen, man kann sich gut vorstellen, dass dies das Ausziehen um einiges umständlicher machte.
Die Geschichte des Handschuh ist äußerst spannend und um die wesentliche Nutzung des Fingerhandschuhstopfstabes zu erkennen, sollte man auch um die formidable Beliebtheit der Handschuhe wissen.
Der Fingerhandschuhstopfstab war ein Gegenstand, der in die defekten Finger eines Handschuhs gesteckt wurde und somit das Stopfen erheblich erleichterte. Oberhalb und unterhalb, eines in der Mitte geführten dünnen Stabes, befanden sich je eine gewölbte Fingerhut ähnliche Kappe. Somit konnte mit dieser pfiffigen Anfertigung auch die Fingerkuppe und Fingerspitze des Handschuhs sorgfältig ausgebessert werden.
Fingerhandschuhstopfstäbe waren meist aus Horn oder Holz gefertigt. Bei dieser einen Art, die ich Euch hier vorstelle, handelt es sich um eine besondere Version, welche bei Reisen mitgeführt wurde. Eine der beiden gedrechselten Holzkappen lässt sich abschrauben. In dem ausgehöltem Stabkörper lassen sich Nähnadeln mitführen. Um den glatten Stab wurde unterschiedliches Stopfgarn oder Zwirn gewickelt.
Unter den Stopfstäben finden sich einige seltene Exemplare, die liebevoll bemalt oder verziert wurden.
Anstatt des Fingerhandschuhstopfstabes wurden in den Bürgershäusern und bei den einfachen Arbeitern, die schadhaften Stellen in den Fingern der Handschuhe mit Hilfe von Kochlöffelstielen, Stiele des Stopfholzes oder andere diverse stabähnliche Utensilien verwendet.
Aus dem Nähkistchen meiner Großmutter geplaudert
mit herzlichen verKNOPFenden Grüßen
Sabine Krump, Die Knopfmacherin
Poesie im Kunsthandwerk